Sauerstoffversorgung im Unterboden

Entwicklung eines Verfahrens zur Abschätzung der Sauerstoffversorgung des Unterbodens als Kenngröße für die Bewertung des Stoffumsetzungspotenzials

 

Auf deutschen Friedhöfen gilt eine Ruhefristenregelung. Nach Ablauf der vorgesehenen Ruhezeit sollten von der Leiche nur noch einige Knochen vorhanden sein, so dass anschließend eine erneute Grabbelegung vorgenommen werden kann. In der Realität treten auf deutschen Friedhöfen jedoch häufig Verwesungsstörungen auf, über deren Ausmaß bisher nur vereinzelt Informationen vorliegen.

 

 

Im ungünstigen Fall wird die benötigte Zeit bis zu einer nahezu vollständigen Verwesung aufgrund von Sauerstoffmangel nicht nur um einige Jahre verlängert, sondern es kommt zu einer mikrobiellen Produktion wasserunlöslicher Fettsäuren und damit zur Bildung sogenannter Wachsleichen, die über viele Jahrzehnte im Grab konserviert werden.

 

Die Aktivität der die Verwesung steuernden Mikroorganismen ist von den Umweltbedingungen abhängig, die wiederum ganz entscheidend durch die Verhältnisse im Boden geprägt sind. Die entscheidenden Steuergrössen für die Art und Geschwindigkeit des Verwesungsprozesses sind die Sauerstoffzufuhr, die Temperatur und die Verfügbarkeit von Wasser.

 

Einen entscheidenden Einfluss auf die Sauerstoff- und Wasserverfügbarkeit am Leichnam hat der über und neben dem Sarg eingebrachte Boden. Wesentliche Bodeneigenschaften sind die Bodenart, das Porensystem, Wasserhalteparameter, Bodenverdichtungen, Grund- und Staunässe.

 

 

Derzeitig gängige Bewertungsverfahren der Böden basieren auf einer einfachen Klassifizierung unterschiedlicher Bodengruppen.

Für eine Vielzahl weiterer Einflussfaktoren existieren bis heute keine Bewertungsverfahren. Dazu zählen insbesondere Veränderungen der Sauerstoffanlieferung durch Bodenaufträge und Bodenmischungen, unterschiedliche Gestaltungsformen der Grabbepflanzung und –pflege, unterschiedliche Grababdeckungen, z.B. Folienabdeckungen, Kiesbeete sowie Teil- und Ganz- Abdeckungen durch Grabplatten.

 

Es bleibt festzustellen, dass derzeit keine befriedigenden Bewertungsverfahren zur Bestimmung des Stoffumsetzungspotentials in Gräbern und damit der Verwesungsleistung in Bödens unter verschiedenen Nutzungsformen bestehen.